01.12.2022

Der bpt hat seine Reihe an Zusammentreffen zum Austausch zwischen den befreundeten Tierärzteverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) vom 6. bis 7. Oktober 2022 am Sitz der in diesem Jahr gastgebenden Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) in der Schweizerischen Bundeshauptstadt Bern fortgesetzt.
Bei solchen Treffen lässt sich erleben, wie sehr Berufspolitik von individuellen menschlichen Kontakten und persönlichen Gesprächen lebt und wie das „Voneinander lernen“ alle Beteiligten voranbringt.
Für den bpt in Bern dabei: Geschäftsführer Heiko Färber und Europareferentin Gabriele Moog. Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) war vertreten durch ihren Präsidenten, Mag. Kurt Frühwirth, den 2. Vizepräsidenten Dietmar Gerstner sowie die Kammeramtsdirektorin (Geschäftsführerin) Frau Mag. Nicole Hafner-Kragl Für die GST waren deren Präsident, Dr. Olivier Glardon und Geschäftsführer Daniel Gerber beteiligt, am ersten Tag zudem Nadja Pfaffhauser, bei der GST zuständig für Marketing & Kommunikation.
Die Tagesordnung legte den Fokus auf die Themen Arbeitsorganisation, tierärztliche Versorgung (Personalmangel, Not- und Bereitschaftsdienste) sowie die Ausbildung und Förderung junger Tierärzte. Die verschiedenen Projekte und Lösungsansätze der beteiligten Länder wurden vorgestellt und diskutiert. Eine umfangreiche aktuelle Studie der GST zu Fragen der Arbeitszufriedenheit in der Vet-Branche offenbart eine erschreckend gesunkene Zufriedenheit der befragten GST-Mitglieder. Dies gab Anlass zu intensiven Diskussionen über Ursachen und Verbesserungspotentiale. Im Fokus wie fast immer: die Chancen, wie sich die Anforderungen von Arbeit und Privatleben besser austarieren lassen.
Die Schweizer Kollegen berichteten sodann von den ersten Stationen ihres neu lancierten umfangreichen Projekts, zu dem unter anderem Anstrengungen gehören, neue arbeitsorganisatorische Modelle zu entwickeln. Auch ein Anreizsystem zur Förderung der nutztierärztlichen Versorgung in Randregionen gehört zum Programm.
Das eindrucksvolle Projekt der Schweizer GST adressiert etliche weitere Themen rund um die Wirtschaftskompetenz der Berufsträger, etwa Kommunikation und Nachwuchssicherung. Vielfältige Dienstleistungen für GST-Mitglieder sind angestrebt. In Österreich sorgt man sich derweil um den schwindenden Praxisbezug der universitären Ausbildung. Zugangskriterien zum Studium sind dabei oft ebenso zweifelhaft wie die teils festgefahrenen Inhalte der Curricula. Hier Fortschritte zu erzielen, gleiche freilich dem berühmten Bohren dicker Bretter. Immerhin: Derzeit werden Kriterien erarbeitet, um in Österreich eine private Fakultät zu etablieren. Ähnliches soll sich derzeit dem Vernehmen nach auch im französischen Rouen ereignen. Aus der Schweiz ist zu hören, dass VetSuisse ein neues Curriculum vorgelegt habe, da dies ohnehin alle zehn Jahre aktualisiert werden müsse. Vielleicht auch ein Modell für andere?
Zum Thema Wirtschaftskompetenz jedenfalls ist der Austausch mit dem bpt besonders fruchtbar, der mit seiner seit Jahren etablierten wirtschaftlichen Tierärzteberatung und den Projekten an den tierärztlichen Ausbildungsstätten bereits Maßstäbe gesetzt hat. Eine gemeinsame Veranstaltung mit unseren Partnerorganisationen könnte zur Plattform für vertiefende Debatten bieten. Schließlich gilt es weiterhin, möglichst viel unternehmerisches Basiswissen in die Breite des Berufsstands hinein zu vermitteln.
Interessant für die befreundeten Verbandsvertreter waren zudem die Berichte des bpt zur bevorstehenden Überarbeitung der Ausbildungspraxen, wobei das Modell der „Lehr-Praxis“ in der Schweiz wiederum stärker reglementiert und wenig vergleichbar mit den deutschen Ansätzen erscheint. Mit Blick auf die Zeit nach der Ausbildung sorgt man sich in der Eidgenossenschaft zudem um die Qualität der Fortbildungsangebote. Hier ziehe die Kontrolldichte seitens der Kantone inzwischen spürbar an.
Nach den spannenden Diskussionen zu aktuellen Themen der Veterinärbranche, erfuhren die Teilnehmer bei einer Führung durch Bern Wissenswertes über die Hauptstadt der Eidgenossenschaft.
Ein nächstes D-A-CH-Treffen soll voraussichtlich im Herbst 2023 beim bpt in Frankfurt am Main erneute Gelegenheit zur Vertiefung der Zusammenarbeit bieten.